Lizette Lizette: Vom YouTube-Zufall zum Dauerbrenner in meiner Playlist

Musik ist für mich mehr als nur ein Hintergrundrauschen. Es gibt diese Songs, die einen nicht mehr loslassen, und Künstler, die aus der Masse herausstechen – manchmal völlig unerwartet. Oft sind es nicht die großen Namen, die mich am meisten faszinieren, sondern jene Künstler, die (noch) nicht in aller Munde sind, aber jede Sekunde Aufmerksamkeit verdienen.

In dieser neuen Kategorie möchte ich genau diese Musiker vorstellen: Künstler, die mich begeistern, inspirieren und deren Musik mich durch den Alltag begleitet. Dabei geht es nicht um Chartplatzierungen oder Klickzahlen, sondern um Musik, die mich berührt – unabhängig davon, ob sie in ausverkauften Stadien gespielt oder in kleinen Clubs gefeiert wird.

Den Anfang macht Lizette Lizette, eine Künstlerin, die mir zufällig über den Weg lief und seitdem einen festen Platz in meiner Playlist hat. Ihre Musik ist eine Mischung aus dunklem Synthpop, Indie-Vibes und absoluter Hingabe. Zeit, sie euch näher vorzustellen.


Es gibt diese Momente, in denen sich das Universum kurz zu einem umdreht, zwinkert und einem einen musikalischen Schatz vor die Füße wirft. Genau so ein Moment war es am 09.08.2019, als Sober Up von Lizette Lizette zufällig als „Nächstes Video“ auf YouTube lief. Keine gezielte Suche, kein Tipp von Freunden – einfach der Algorithmus, der ausnahmsweise mal alles richtig gemacht hat. Ich hörte zu, war fasziniert. Doch dann? Dann war erstmal Pause. Der Song blieb im Hinterkopf, aber aus irgendeinem Grund tauchte ich nicht weiter in Lizette Lizettes Musik ein.

Doch im Dezember 2019 kam die Erinnerung zurück. Dieses eine Video, dieses eine Lied, das irgendwie anders war als der Mainstream-Pop, den ich sonst so oft höre. Also durchwühlte ich meinen YouTube-Verlauf und klickte mich durch die restlichen Musikvideos von Lizette Lizette – und das war’s dann. Ab dem Moment gab es für mich kein Zurück mehr. Ich habe mich regelrecht in die Musik verliebt. Lizette Lizette hat einfach alles: Diese einzigartige Stimme, einen Sound, der gleichzeitig nostalgisch und modern klingt, eine fesselnde visuelle Ästhetik und eine Aura, die sowohl verletzlich als auch absolut selbstbewusst ist.

Was mich von Anfang an besonders begeistert hat, ist diese durch und durch ehrliche Art, mit der Lizette ihre Musik macht. Da gibt es keine glattgebügelten Produktionen, keine erzwungenen Radio-Hits, sondern einfach Kunst, die von innen kommt. Und das spürt man. Man merkt einfach, dass Lizette keine Musik macht, um irgendwelchen Trends zu entsprechen, sondern um das auszudrücken, was sie fühlt. Gleichzeitig hat man nie das Gefühl, dass sie sich dafür quälen muss oder sich an irgendeinem Ideal abarbeitet – im Gegenteil. Ihre Songs klingen so, als würde sie genau das tun, was sie liebt, als würde sie in ihrer Musik völlig aufgehen. Man hört einfach, dass sie es nicht nur will, sondern dass es ihr Spaß macht, dass es ihr liegt. Dass sie in dem Moment, in dem sie einen Song erschafft, einfach genau dort ist, wo sie sein will.

Die musikalischen Anfänge und Diskografie

Raveland

Lizette Lizette, geboren als Lizette Nordahl, begann ihre musikalische Reise bereits 2013 mit der Veröffentlichung ihrer ersten EP Raveland. Schon hier zeigte sich ihr Talent für tanzbare, aber tiefgehende elektronische Musik mit düsterem Unterton. Die Tracks auf dieser EP waren eine Mischung aus düsterem Synthpop und clubtauglichen Beats, die schnell eine kleine, aber treue Fangemeinde fanden.

Freak

2014 erschien dann ihre erste offizielle Single Freak, die später auch auf ihrem Debütalbum zu finden war. Diese Single war ein erster Hinweis darauf, in welche Richtung Lizette sich musikalisch entwickeln würde – mutig, kompromisslos und mit einer klaren Vision.

Queerbody

2017 erschien das Debütalbum Queerbody, das europaweit von Kritikern gelobt wurde. Tracks wie Easy Street, Rest und Sober Up sorgten für Aufmerksamkeit in der Indie-Elektropop-Szene. Das Album war eine Mischung aus clubtauglichen Sounds, melancholischen Melodien und einem Hauch von 80er-Nostalgie. Es zeigte ihre Fähigkeit, elektronische Musik mit emotionaler Tiefe zu verbinden und eine fast hypnotische Atmosphäre zu schaffen.

Easy Street thematisiert das Gefühl der Ungerechtigkeit und den Kontrast zwischen denen, die sich ein leichtes Leben leisten können, und denen, die es nicht können. Der Song kombiniert treibende, düstere Synthesizer mit unterschwelliger Kritik an sozialer Ungleichheit und der Unbekümmertheit derjenigen, die auf der „leichten Straße“ leben.

Rest hingegen ist ein introspektiver Song über Kontrolle und das Loslassen. Die Lyrics reflektieren die Herausforderung, sich von gesellschaftlichen Erwartungen zu befreien und Vertrauen in den natürlichen Fluss des Lebens zu haben. Der repetitive Refrain verstärkt das Gefühl der inneren Zerrissenheit zwischen dem Wunsch nach Kontrolle und der Sehnsucht nach Ruhe.

Sober Up behandelt das Thema Realitätsflucht durch Rausch und die Schwierigkeit, sich der eigenen Emotionen zu stellen. Der Song beschreibt das Gefühl der Leere und Orientierungslosigkeit nach dem „Nüchternwerden“ – wenn all das, was man verdrängt hat, wieder ins Bewusstsein tritt. Die Kombination aus hypnotischen Synthesizern und eindringlichem Gesang macht den Track besonders wirkungsvoll.

NON

2019 erschien das zweite Album NON, das eine musikalische Weiterentwicklung zeigte. Hier klangen die Beats noch raffinierter, die Texte noch tiefgründiger. Besonders der Song NON selbst hatte eine unglaubliche Kraft und wurde von Fans schnell als ein zentrales Werk in Lizettes Repertoire angesehen. Die Produktion wirkte noch ausgereifter, mit mehr Fokus auf dunklen, treibenden Synthesizern und einer klareren Struktur der Songs.

Der Titelsong NON setzt sich mit dem Druck auseinander, in vorgegebene Kategorien zu passen. Lizette stellt Normen infrage und verweigert sich einem binären System. Der Song hat einen rebellischen, fast mantraartigen Charakter und steht musikalisch für das Selbstbewusstsein und die Stärke, sich nicht in Schubladen pressen zu lassen.

Ein weiteres Highlight des Albums ist VOID, ein düsterer, introspektiver Track, der das Gefühl des Verlorenseins einfängt. Die bedrückende Klanglandschaft verstärkt das Bedürfnis nach Verbindung und Anerkennung. Es ist ein Song über Frustration, das Warten auf Akzeptanz und die Härte der Ablehnung, musikalisch verpackt in pulsierende Elektronik und eine fast klaustrophobische Atmosphäre.

Ebenfalls auf NON zu finden ist Computer Game, ein nostalgischer, emotionaler Song, der Verlust und Sehnsucht thematisiert. Die Metapher des „Computerspiels“ wird dabei genutzt, um das Gefühl auszudrücken, dass eine besondere Verbindung vorbei ist, ein Spiel, das beendet wurde – „Game over“. Die Lyrics vermitteln die Traurigkeit darüber, jemanden zu verlieren, der einmal eine entscheidende Rolle im eigenen Leben gespielt hat. Musikalisch fängt der Song diese bittersüße Stimmung mit einer Mischung aus sanften, aber treibenden Klängen ein.

Born To Make You Happy

Cover Benjamin Lofquist scaled
©Benjamin Löfquist

Neben ihren eigenen Kompositionen hat Lizette Lizette mit Born to Make You Happy von Britney Spears auch eine einzigartige Cover-Version veröffentlicht. Während das Original ein optimistischer Popsong über bedingungslose Liebe ist, verleiht Lizette ihrer Version eine düstere, melancholische Note. Mit einer langsameren, atmosphärischen Instrumentierung und ihrem einzigartigen Gesangsstil verwandelt sie den Song in eine tiefgehende, fast schmerzhafte Reflexion über Verlust und Sehnsucht. Das Cover zeigt eindrucksvoll, wie sie bekannte Popmusik in ihren eigenen, unverwechselbaren Stil überführt.

Miss Gendered

2022 folgte das dritte Album Miss Gendered, das sich klanglich noch experimenteller zeigte und sich thematisch mit den dunkleren Seiten der menschlichen Psyche auseinandersetzte. Songs wie You Lied, Sorry und Cuts sind Beispiele für die schonungslose Ehrlichkeit, die Lizette in ihre Texte packt.

You Lied ist ein roher, direkter Song über Betrug, Schmerz und Selbstzweifel. Die Intensität des Songs spiegelt sich in den kraftvollen Vocals und dem drängenden Beat wider, die zusammen eine Atmosphäre von Wut und Verletzlichkeit erzeugen.

Sorry wiederum hat eine melancholische, fast resignierte Grundstimmung. Die sanfte Melodie steht im Kontrast zu der emotionalen Schwere des Textes, der den Moment des Abschieds und der endgültigen Trennung einfängt.

Besonders intensiv ist Cuts, ein Song, der sich mit Selbsthass und inneren Kämpfen auseinandersetzt. Die dunkle, bedrückende Produktion verstärkt das beklemmende Gefühl, während die wiederholten Songzeilen eine Art kathartischen Ausbruch symbolisieren.

Das Album ist insgesamt eine düstere, aber fesselnde Reise durch Selbstzweifel, Schmerz und den Wunsch nach Veränderung – musikalisch begleitet von drückenden Synthesizern und treibenden Beats, die einen nicht mehr loslassen.

Neue Stadt, neuer Sound? „Work“ und der harte Kampf um Anerkennung

Jetzt, 2025, ist Lizette Lizette in einer neuen Phase angekommen. Der vorübergehende Umzug nach New York, ein neuer kreativer Schub – und damit auch eine neue Single: Work. Ein Song, der sich mit einem Thema auseinandersetzt, das wohl die meisten von uns nur zu gut kennen: harter Arbeit, die nicht immer belohnt wird. Oder, um es mit Lizettes eigenen Worten zu sagen: „Hard work doesn’t always equal a pay off. Sometimes you just get burned out and that’s it.“

In Work geht es um die Illusion des „American Dream“, um die endlose Schleife aus Arbeiten, Warten, Hoffen – und dann doch oft im Nirgendwo landen. Die Kombination aus frustrierten, fast gelangweilten Vocals und treibendem Indie-Pop-Beat macht den Track gleichzeitig tanzbar und nachdenklich. Es ist eine Gratwanderung zwischen Zufriedenheit mit dem, was man hat, und der ewigen Jagd nach „etwas Besserem“. Und genau dieses Spannungsfeld fängt Lizette hier perfekt ein.

Das Musikvideo dazu ist – natürlich – ein Kunstwerk für sich. Eine stilisierte, fast surreal wirkende Darstellung dieser monotonen Arbeitswelt, in der Lizette zwischen Bürokratie und Selbstverwirklichung gefangen scheint. Im Sommer zieht es sie dann wieder zurück nach Stockholm – ihre kreative Basis bleibt also weiterhin in Europa. Die Stadtwechsel spiegeln auch ihren künstlerischen Prozess wider: Sie saugt neue Eindrücke auf, verarbeitet sie in ihrer Musik und entwickelt so ihren Stil stetig weiter. Auf das kommende neue Album freue ich mich schon jetzt sehr!

Lizette Lizette hat sich längst einen festen Platz in der alternativen Elektropop-Szene (und irgendwie auch in meinem Herzen) gesichert. Ihre Fähigkeit, moderne elektronische Sounds mit einer gewissen Nostalgie zu verbinden, hebt sie von vielen anderen Künstlern ab. Ihre Songs haben Tiefe, Charakter und eine starke visuelle Komponente, die durch ihre beeindruckenden Musikvideos noch verstärkt wird.

Man merkt Lizettes Songs an, dass sie nicht nur Musik sind, sondern Ausdruck von Gedanken, Gefühlen und Erfahrungen. Das ist vielleicht auch der Grund, warum ihre Tracks so lange nachhallen.

Und weil das Ganze nicht nur gehört, sondern auch gesehen werden muss, hier das offizielle Video zum neuen Song. Also: Reinhören, reinschauen und supporten. Lizette Lizette verdient es – und unsere Playlists sowieso.


Weiterführende Links

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